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Kontrastmittel: Verträglichkeit, Niere und Schilddrüse

Was Kontrastmittel tut – und was nicht

Kontrastmittel macht nichts sichtbar, was vorher nicht da war. Es verstärkt Unterschiede.

Im Bild sehen viele Weichteile einander ähnlich: Ein Gefäß, ein entzündeter Bereich und gesundes Gewebe können sich in Graustufen kaum unterscheiden. Kontrastmittel verteilt sich mit dem Blut und reichert sich dort stärker an, wo mehr durchblutet wird oder wo Gefäße durchlässiger sind. Aus einer gleichmäßigen Fläche wird so ein unterscheidbares Muster.

Deshalb ist Kontrastmittel bei manchen Fragestellungen der entscheidende Teil der Untersuchung – und bei anderen überflüssig. Ein Knochenbruch braucht keines. Welches Verfahren für welche Frage geeignet ist, ist ein eigenes Thema; hier geht es allein um das, was gespritzt oder getrunken wird.

Zwei Gruppen, zwei Verfahren

Die beiden wichtigen Gruppen dürfen nicht verwechselt werden, weil sie unterschiedliche Vorbefunde erfordern.

CT und Röntgen MRT
Wirkstoffgruppe jodhaltig gadoliniumhaltig
Warum es wirkt Jod schwächt Röntgenstrahlung stärker ab Gadolinium verändert das Verhalten der Gewebesignale im Magnetfeld
Ausscheidung überwiegend über die Nieren überwiegend über die Nieren
Schilddrüse relevant? ja nein

Daneben gibt es Ultraschallkontrastmittel aus winzigen Gasbläschen, die weder Jod noch Gadolinium enthalten und weder die Nieren noch die Schilddrüse betreffen. Sie folgen eigenen Regeln.

Auch der Weg in den Körper ist nicht immer die Vene: Kontrastmittel kann getrunken werden, um den Magen-Darm-Trakt im CT abzugrenzen, es kann über den Enddarm eingebracht oder – bei speziellen Fragestellungen – direkt in ein Gelenk gespritzt werden. Wenn so etwas vorgesehen ist, sagt die Praxis Ihnen das vorher, weil es Ihren Zeitplan verändert: Getrunkenes Kontrastmittel braucht eine Vorlaufzeit von teils einer Stunde.

Wie die Gabe abläuft

Das Kontrastmittel wird in der Regel über eine Kanüle in eine Armvene gegeben, oft während der Untersuchung und über eine Pumpe, damit es im richtigen Moment im richtigen Gefäßgebiet ist.

Erwartbar und kein Warnzeichen sind dabei:

  • ein Wärmegefühl, das durch den Körper zieht
  • ein metallischer Geschmack im Mund
  • kurz das Gefühl, Wasser lassen zu müssen

Nicht normal ist Schmerz oder Schwellung an der Einstichstelle während der Gabe. Dann kann Kontrastmittel neben die Vene ins Gewebe laufen. Sagen Sie es sofort – dafür bekommen Sie den Notfallknopf beziehungsweise die Anweisung, sich zu melden.

Nach der Gabe bleiben Sie meist noch eine kurze Zeit vor Ort, bevor der Zugang gezogen wird. Das ist keine Schikane, sondern die Zeit, in der die allermeisten Reaktionen auftreten würden.

Was vorher abgefragt wird – und warum

Der Aufklärungsbogen wirkt lang. Jede Frage darauf hat eine Konsequenz.

Nierenfunktion. Beide Kontrastmittelgruppen werden überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Ist die Nierenleistung deutlich eingeschränkt, bleibt das Mittel länger im Körper – das ist der Kern der Abwägung. Gefragt wird deshalb nach Nierenerkrankungen, Dialyse, Diabetes, Bluthochdruck und Alter; häufig wird ein aktueller Laborwert verlangt (Kreatinin beziehungsweise die daraus berechnete eGFR). Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion gibt es für bestimmte gadoliniumhaltige Mittel ausdrückliche Anwendungsbeschränkungen, weil in dieser Konstellation die sehr seltene, aber schwerwiegende nephrogene systemische Fibrose beschrieben wurde – eine Verhärtung von Haut und Bindegewebe. Was daraus für Sie folgt, ist eine ärztliche Entscheidung: anderes Mittel, andere Dosis, anderes Verfahren oder Untersuchung ohne Kontrastmittel.

Schilddrüse – nur bei jodhaltigem Kontrastmittel. Die enthaltene Jodmenge liegt weit über dem täglichen Bedarf. Bei einer bestehenden Überfunktion oder bei Schilddrüsengewebe, das unabhängig von der Steuerung des Körpers arbeitet, kann das eine Überfunktion auslösen – in seltenen Fällen eine schwere, behandlungsbedürftige. Deshalb wird nach Schilddrüsenerkrankungen, Knoten und Medikamenten gefragt und oft ein aktueller Blutwert (TSH) verlangt. Wichtig ist außerdem: Jodhaltiges Kontrastmittel kann geplante Schilddrüsenuntersuchungen oder eine Radiojodtherapie für Wochen bis Monate blockieren. Wenn so etwas ansteht, muss es vorher auf den Tisch.

Frühere Reaktionen. Die wichtigste Einzelfrage. Nicht: „Vertragen Sie Jod?“, sondern: Hatten Sie schon einmal eine Reaktion auf ein Kontrastmittel – und welche? Hautausschlag, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Atemnot, Krankenhausaufenthalt? Auch wenn es Jahre her ist. Bringen Sie den Allergiepass mit und, falls vorhanden, den alten Befund.

Medikamente. Bestimmte Arzneimittel, unter anderem in der Diabetesbehandlung, werden rund um eine Kontrastmittelgabe unter Umständen pausiert oder kontrolliert. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand Ihrer Medikamentenliste – bringen Sie sie deshalb vollständig mit, einschließlich frei verkäuflicher Präparate.

Schwangerschaft und Stillzeit. Beides gehört genannt, auch bei Unsicherheit. Kontrastmittel wird in der Schwangerschaft nur gegeben, wenn es zwingend nötig ist; für die Stillzeit gibt es Empfehlungen, die individuell besprochen werden.

Asthma und ausgeprägte Allergieneigung erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion und ändern die Vorbereitung – ein Grund mehr, sie anzugeben.

Wie Unverträglichkeiten aussehen

Reaktionen sind selten, aber sie kommen vor. Sie in Stufen zu kennen, hilft, das Richtige zu tun.

Sofortreaktionen treten typischerweise in den ersten Minuten auf:

  • leicht: Juckreiz, einzelne Quaddeln, Niesreiz, leichte Übelkeit
  • mittel: ausgedehnte Quaddeln, Erbrechen, Schwindel, Blutdruckabfall
  • schwer: Engegefühl im Hals, Atemnot, Schwellung von Lippen oder Zunge, Kreislaufversagen

Deshalb bleiben Sie nach der Gabe kurz vor Ort. Radiologische Einrichtungen sind auf diese Situation vorbereitet.

Spätreaktionen zeigen sich Stunden bis wenige Tage später, meist als Hautausschlag oder Juckreiz. Sie sind in der Regel mild, gehören aber gemeldet – der Vermerk ist für jede künftige Untersuchung wichtig.

⚠️ Wenn zu Hause Atemnot, eine Schwellung im Gesicht- oder Halsbereich oder Kreislaufprobleme auftreten: 112. Bei milden Beschwerden ohne Notfallzeichen rufen Sie in der Praxis an, außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Wenn Kontrastmittel nicht infrage kommt

Ein Hindernis bedeutet nicht, dass die Frage unbeantwortet bleiben muss. Je nach Situation stehen mehrere Wege offen, und die Radiologie wägt sie gegeneinander ab:

  • Untersuchung ohne Kontrastmittel. Manche Fragestellungen lassen sich auch so beantworten, andere nur eingeschränkt. Im Befund wird dann vermerkt, was offenbleibt.
  • Anderes Verfahren. Statt eines CT mit jodhaltigem Mittel kommt je nach Frage eine Ultraschall- oder eine MRT-Untersuchung infrage – oder umgekehrt.
  • Anderes Mittel oder andere Menge. Innerhalb einer Gruppe unterscheiden sich die Substanzen; bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Menge angepasst.
  • Vorbereitende Maßnahmen. Bei bekanntem Risiko können vor der Untersuchung Medikamente gegeben oder die Flüssigkeitszufuhr geplant werden. Was sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; dieser Beitrag nennt bewusst keine Wirkstoffe und keine Dosierungen.
  • Verschieben. Wenn ein Laborwert fehlt oder eine Schilddrüsenbehandlung ansteht, ist ein neuer Termin oft die bessere Lösung als eine Untersuchung unter Vorbehalt.

Diese Abwägung heißt rechtfertigende Indikation: Der erwartete Nutzen muss die möglichen Nachteile überwiegen. Sie ist ärztliche Pflicht und keine Formsache – und sie schließt Ihre Fragen ausdrücklich ein. Sie dürfen im Aufklärungsgespräch nachfragen, warum Kontrastmittel nötig ist, was ohne es fehlen würde und welche Alternativen bestehen. Und Sie dürfen die Gabe ablehnen; die Praxis wird Ihnen dann sagen, was das für die Aussagekraft bedeutet.

Ein Wort zu Ablagerungen

Bei gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln wurde beobachtet, dass geringe Mengen im Körper verbleiben können, unter anderem im Gehirn. Ein Schaden für Patientinnen und Patienten ist bislang nicht belegt; die Datenlage zu sehr langen Zeiträumen ist begrenzt. Die europäischen Behörden haben daraus 2017/2018 Konsequenzen gezogen und die Zulassung mehrerer älterer Mittel ruhen lassen, bei denen sich das Gadolinium leichter aus seiner chemischen Bindung löst.

Das ist weder ein Grund zur Panik noch eine Entwarnung, sondern die ehrliche Beschreibung eines offenen Punktes. Praktisch folgt daraus, was ohnehin gilt: Kontrastmittel wird gegeben, wenn es die Fragestellung erfordert – nicht routinemäßig.

Was Sie vor dem Termin klären sollten

Am besten schon bei der Terminvergabe, nicht erst im Wartezimmer:

  1. Ist bei meiner Untersuchung Kontrastmittel vorgesehen?
  2. Brauchen Sie aktuelle Nierenwerte – und wie alt dürfen sie sein? Wer nimmt das Blut ab?
  3. Brauchen Sie einen Schilddrüsenwert?
  4. Muss ich nüchtern kommen?
  5. Soll ich Medikamente an diesem Tag anders einnehmen?
  6. Ich hatte einmal eine Reaktion auf Kontrastmittel – welche Unterlagen soll ich mitbringen?

Mitzubringen sind Überweisung, Versichertenkarte, Medikamentenliste, Allergiepass, aktuelle Laborwerte und Voraufnahmen früherer Untersuchungen.

Und der Satz, der über allem steht: Die Entscheidung über Kontrastmittel trifft die Ärztin oder der Arzt – auf Grundlage dessen, was Sie erzählen. Was nicht gesagt wird, kann nicht berücksichtigt werden.


Dieser Beitrag erklärt Kontrastmittel allgemein. Er ersetzt keine ärztliche Aufklärung; ob, welches und wie viel Kontrastmittel in Ihrem Fall infrage kommt, entscheidet die untersuchende Praxis.

HÄUFIGE FRAGEN
Warum bekomme ich beim CT oder MRT Kontrastmittel?
Weil viele Gewebearten im Bild ähnlich aussehen. Kontrastmittel verstärkt die Unterschiede und macht sichtbar, wie stark eine Region durchblutet ist. Dadurch lassen sich Gefäße, Entzündungen, Abszesse und Tumoren besser abgrenzen und beurteilen. Ob es für Ihre Fragestellung nötig ist, entscheidet die Radiologin oder der Radiologe – nicht jede Untersuchung braucht es.
Muss ich vor einer Untersuchung mit Kontrastmittel die Nierenwerte bestimmen lassen?
Häufig ja, aber nicht immer. Beide Kontrastmittelgruppen werden überwiegend über die Nieren ausgeschieden, deshalb ist die Nierenfunktion Teil der Abwägung. Ob ein aktueller Laborwert nötig ist und wie aktuell er sein muss, hängt von Ihrem Alter, Ihren Vorerkrankungen und dem geplanten Mittel ab. Fragen Sie schon bei der Terminvergabe danach – sonst kann der Termin platzen.
Was hat die Schilddrüse mit Kontrastmittel zu tun?
Das betrifft nur jodhaltige Kontrastmittel, also CT und Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel. Die enthaltene Jodmenge kann bei einer vorbestehenden Überfunktion oder bei eigenständig arbeitendem Schilddrüsengewebe eine Überfunktion auslösen. Deshalb wird nach Schilddrüsenerkrankungen gefragt und häufig ein aktueller Blutwert verlangt. Für gadoliniumhaltige Kontrastmittel beim MRT gilt das nicht.
Ich habe eine Jodallergie – bekomme ich trotzdem Kontrastmittel?
Der Begriff Jodallergie führt in die Irre: Eine Allergie gegen das Element Jod gibt es in diesem Sinne nicht, und eine Unverträglichkeit von Meeresfrüchten oder jodhaltigen Desinfektionsmitteln sagt nichts über die Verträglichkeit von Kontrastmittel aus. Wichtig ist etwas anderes: eine frühere Reaktion auf ein Kontrastmittel selbst. Schildern Sie möglichst genau, was damals passiert ist und wann – daraus ergibt sich das weitere Vorgehen.
Wie merke ich eine Unverträglichkeit gegen Kontrastmittel?
Wärmegefühl, ein metallischer Geschmack oder das Gefühl, Wasser zu lassen, sind normale Begleiterscheinungen und keine Unverträglichkeit. Melden Sie sich sofort beim Team bei Juckreiz, Quaddeln, Übelkeit, Niesreiz, Engegefühl im Hals, Atemnot oder Schwindel. Reaktionen treten meist innerhalb der ersten Minuten auf, seltener als Hautausschlag nach Stunden bis Tagen. Bei Atemnot oder Kreislaufproblemen zu Hause gilt die 112.
Was muss ich nach einer Kontrastmittelgabe beachten?
Meist bleiben Sie noch eine kurze Zeit in der Praxis, bevor der Zugang entfernt wird. Danach hilft ausreichendes Trinken, sofern Ihnen niemand aus anderen Gründen eine Trinkmenge vorgegeben hat. Achten Sie in den folgenden Tagen auf Hautveränderungen und melden Sie sie. Ob Medikamente, Stillen oder geplante Schilddrüsenuntersuchungen angepasst werden müssen, klären Sie vor Ort – das entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell.